Innenentwicklung nach RPG: Verdichtung statt Ausweitung

Mit der RPG-Revision 2012 hat die Schweiz einen Paradigmenwechsel in der Raumplanung vollzogen: Siedlungsentwicklung nach innen hat Vorrang vor der Ausweitung ins Kulturland. Was das für Gemeinden bedeutet, welche Instrumente es gibt und wie die GFR-Analyse dabei hilft.

Von Andreas Rupf, SPEKTRUM Partner GmbH · 26. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Was ist Innenentwicklung?

Innenentwicklung bezeichnet die Strategie, das Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets zu realisieren – also durch Verdichtung, Nachverdichtung, Umnutzung und Aufwertung vorhandener Bauzonen, statt durch Ausweitung in bisher unbebautes Land.

Das Gegenteil – die Aussenentwicklung – war in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre die dominante Strategie: Neue Wohngebiete wurden am Siedlungsrand und in der Agglomeration auf grüner Wiese erschlossen. Die Folge: überdimensionierte Bauzonen, Zersiedelung, Verlust von Kulturland und steigender Infrastrukturaufwand.

Der Paradigmenwechsel: RPG-Revision 2012

Die vom Schweizer Stimmvolk am 3. März 2013 angenommene RPG-Revision trat am 1. Mai 2014 in Kraft und verankerte die Innenentwicklung als primäres Planungsziel:

Dieser Paradigmenwechsel hat fundamentale Konsequenzen für die kommunale und kantonale Planung: Ohne Nachweis ausreichender Innenentwicklungskapazität sind neue Einzonungen faktisch ausgeschlossen.

Ziele der Innenentwicklung

Die Innenentwicklung verfolgt mehrere planerische Ziele gleichzeitig:

Instrumente der Innenentwicklung

Gemeinden haben verschiedene Instrumente, um Innenentwicklung umzusetzen:

Planungsrechtliche Instrumente

Bodenpolitische Instrumente

Förderprogramme

Hindernisse für Innenentwicklung

Die Innenentwicklung klingt in der Theorie einfach, ist in der Praxis aber mit erheblichen Hindernissen verbunden:

Diese Faktoren erklären, warum das theoretisch berechnete Einwohnerpotenzial und die tatsächlich mobilisierbare Kapazität erheblich auseinanderklaffen können.

Die GFR-Analyse als Grundlage der Innenentwicklungsstrategie

Eine präzise GFR-Bauzonenanalyse liefert die Grundlage für eine evidenzbasierte Innenentwicklungsstrategie. Sie zeigt auf:

Damit wird die GFR-Analyse zum strategischen Planungsinstrument – nicht nur für die Richtplanung, sondern auch für die Entwicklung einer gezielten Innenentwicklungsstrategie.

Innenentwicklung und Siedlungsqualität

Innenentwicklung ist mehr als bloss Verdichtung. Eine qualitätsvolle Innenentwicklung beachtet:

Die quantitative GFR-Analyse muss daher durch qualitative Beurteilungen ergänzt werden – welche Reserven sind aus städtebaulicher Sicht tatsächlich entwicklungswürdig?

Fazit

Die Innenentwicklung ist kein optionales Planungsziel, sondern seit 2014 gesetzliche Pflicht. Gemeinden, die ihre Innenentwicklungskapazität nicht kennen, haben keine belastbare Grundlage für ihre Richtplanung, ihre Einzonungsgesuche oder ihre Entwicklungsstrategie.

Die GFR-Analyse ist der erste, unverzichtbare Schritt: Sie quantifiziert das Potenzial – und ermöglicht damit strategische Planung statt blinden Aktionismus.

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