ARE-Szenarien Tief, Referenz und Hoch: Mobilisierungsraten erklärt

Die GFR-Methodik des ARE definiert drei Mobilisierungsszenarien, die unterschiedliche Annahmen über die Ausschöpfung des Einwohnerpotenzials treffen. Dieser Artikel erklärt, was hinter den Szenarien steckt, wie sie berechnet werden und welches Szenario in welchem Kontext relevant ist.

Von Andreas Rupf, SPEKTRUM Partner GmbH · 26. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Warum braucht es drei Szenarien?

Das berechnete GFR-Delta – die Differenz zwischen zulässiger und realisierter Geschossfläche – gibt das theoretisch maximale Einwohnerpotenzial an. In der Praxis wird aber nie 100% dieser Reserve ausgeschöpft: Eigentümer wollen nicht verkaufen, Parzellen sind nicht erschlossen, Denkmalschutz schränkt ein, oder die Marktnachfrage ist gering.

Die Szenarien modellieren unterschiedliche Annahmen darüber, welcher Anteil des theoretischen Potenzials tatsächlich mobilisiert wird – die sogenannte Mobilisierungsrate. Das ARE hat diese Szenarien empirisch aus Schweizer Fallstudien abgeleitet und in der GFR-Methodik verankert.

Szenario «Tief»: Konservative Mobilisierung

Das Tief-Szenario verwendet die niedrigste Mobilisierungsrate. Es modelliert eine Zukunft, in der das Innenentwicklungspotenzial nur zögerlich ausgeschöpft wird:

Verwendung: Das Tief-Szenario dient als untere Planungsgrenze. Es zeigt den minimalen Optionsraum auf und ist relevant, wenn Gemeinden prüfen, ob auch unter pessimistischen Annahmen ausreichend Innenentwicklungskapazität besteht.

Szenario «Referenz»: Der ARE-Standard

Das Referenzszenario ist die wichtigste Kennzahl der GFR-Methodik. Es stellt die planerisch realistische Mitte dar und verwendet die Mobilisierungsrate, die das ARE als Standard für die Bauzonendimensionierung definiert hat.

Das Referenzszenario gilt für:

Es geht davon aus, dass eine aktiv steuernd tätige Gemeinde mit üblichen Instrumenten (Nutzungsplanung, Bauberatung, Grundeigentümergespräche) die Potenziale in normaler Planungsgeschwindigkeit erschliesst.

Szenario «Hoch»: Optimistische Ausschöpfung

Das Hoch-Szenario modelliert eine Zukunft mit überdurchschnittlicher Mobilisierung des Innenentwicklungspotenzials:

Verwendung: Das Hoch-Szenario dient als obere Planungsgrenze. Es ist relevant für Gemeinden, die intensive Innenentwicklungsstrategien planen, und als Bandbreite im Zusammenhang mit alternativen Szenarien der Richtplanung.

Die Bandbreite der drei Szenarien

Die drei Szenarien bilden gemeinsam eine Bandbreite des Einwohnerpotenzials:

Tief
X EW
Untere Grenze
Referenz ★
Y EW
ARE-Standard
Hoch
Z EW
Obere Grenze

Diese Bandbreite ist wertvoll: Sie zeigt, wie sensitiv das Ergebnis auf die Mobilisierungsannahmen reagiert. Eine breite Bandbreite signalisiert grosse Unsicherheit; eine schmale Bandbreite signalisiert robuste Planungsgrundlage.

Mobilisierungsraten: Was steckt dahinter?

Die konkreten Mobilisierungsraten der drei Szenarien sind differenziert nach:

Die Raten basieren auf empirischen Analysen des ARE aus Fallstudien über realisierte Innenentwicklungsprojekte in der Schweiz. Sie werden periodisch überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst.

Szenarien und Bevölkerungsprognose: Die Kombination

Die Szenarien des Einwohnerpotenzials werden dem prognostizierten Bevölkerungswachstum gegenübergestellt. Das ARE publiziert seinerseits ebenfalls drei Bevölkerungsszenarien (tief / referenz / hoch). Für die Bauzonendimensionierung werden typischerweise kombiniert:

Fazit: Szenarien als Planungsbandbreite

Die drei ARE-Szenarien sind kein Selbstzweck, sondern ein mächtiges Planungsinstrument: Sie zeigen die Bandbreite des möglichen Einwohnerpotenzials und ermöglichen eine differenzierte, evidenzbasierte Diskussion über die Bauzonenstrategie einer Gemeinde.

Das Referenzszenario ist behördlich massgebend. Tief und Hoch liefern den Kontext für strategische Entscheidungen und Sensitivitätsanalysen.

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